Buchstabenregen  


Buchrezension

Origin – Dan Brown

Origin

Seiten: 668

Preis: 28,00 Euro

  

Bastei Lübbe Hardcover Erschienen: 4. Oktober 2017 ISBN 978-3-431-03999-3

Der Inhalt:

Als der Milliardär und Zukunftsforscher Edmond Kirsch drei der bedeutendsten Religionsvertreter der Welt um ein Treffen bittet, sind die Kirchenmänner zunächst skeptisch. Was will ihnen der bekennende Atheist mitteilen? Was verbirgt sich hinter seiner »bahnbrechenden Entdeckung«, das Relevanz für Millionen Gläubige auf diesem Planeten haben könnte? Nachdem die Geistlichen Kirschs Präsentation gesehen haben, verwandelt sich ihre Skepsis in blankes Entsetzen.

Die Furcht vor Kirschs Entdeckung ist begründet. Und sie ruft Gegner auf den Plan, denen jedes Mittel recht ist, ihre Bekanntmachung zu verhindern. Doch es gibt jemanden, der unter Einsatz des eigenen Lebens bereit ist, das Geheimnis zu lüften und der Welt die Augen zu öffnen: Robert Langdon, Symbolforscher aus Harvard, Lehrer Edmond Kirschs und stets im Zentrum der größten Verschwörungen.

 

Der erste Satz:

Während die historische Zahnradbahn sich mühsam ihren Weg den schwindelerregend steilen Hang hinaufkrallte, blickte Edmond Kirsch auf die gezackten Bergspitzen hoch über ihm.

 

Meine Meinung:

In meinem Bücherregal finden sich nicht allzu viele Krimis und Thriller. Doch die Bücher von Dan Brown sind allesamt vorhanden, jedes davon ist verschlungen worden. Denn mit dem Charakter Robert Langdon hat Dan Brown jemanden geschaffen, der alles andere als der 0815-Kommissar ist. Stattdessen interessiert sich der Harvard-Professor für Kunst und Literatur, für Geschichte und Symbolik, für alle Weltreligionen, sämtliche Wissenschaften und den damit einhergehenden technischen Fortschritt – und mit seinem Rollkragenpullover, seiner Tweedjacke, seiner Micky Maus-Armbanduhr und seinen Monologen, die ebenso genial wie klugscheißerisch sind, ist er für mich zu einem sympathischen Protagonisten geworden, den ich auf seinen Reisen gerne begleite.

In seinem fünften Fall verschlägt es Robert Langdon nach Spanien. Von seinem ehemaligen Studenten, dem Zukunftsforscher Edmond Kirsch erhielt er eine Einladung zu einem exklusiven Event, das laut Gastgeber die Weltanschauung der Menschen verändern soll, so wie es einst Kopernikus vermochte.

Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

Diese beiden Fragen sind das zentrale Thema der Präsentation Kirschs – und sie sollen den Leser das gesamte Buch über beschäftigen. Denn die Veranstaltung endet mit einem Schuss, mitten in der Präsentation, die nur manuell von Edmonds Super-Computer fortgesetzt werden kann. Mit einer KI namens Winston im Ohr und der jungen Museumsdirektorin Ambra Vidal an seiner Seite macht Robert Langdon sich auf nach Barcelona, um das Geheimnis zu lüften und Kirschs Präsentation doch noch online zu stellen.

Erzählt ist das Ganze fesselnd wie eh und je. Dan Brown beginnt mit einem packenden Prolog und baut die Neugierde in einer seitenlangen Einleitung auf, erhält die Spannung auch im Mittelteil aufrecht, der mir persönlich an einigen Stellen etwas zäh erschien und endet mit einem vorhersehbaren, aber fulminanten Ende.

Was mich störte: Das Fachgebiet von Robert Langdon ist die Symbolforschung und leider spielen Symbole in diesem Buch keine allzu große Rolle. Die ganze Geschichte mitsamt ihren Konflikten ist moderner als die Vorgängerbände und die alten Symbole, die dann doch zwischendurch auftauchen, scheinen einzig dem Zweck zu dienen, den armen Robert zu Wort kommen und sein Wissen preisgeben zu lassen; für die Handlung selbst sind sie nicht wirklich relevant. Und so war das, was der Professor dem Leser zu erzählen hatte, zwar interessant, wirkte mir allerdings zu gewollt und unnötig.

Ich habe auch das Gefühl, in den Vorgängerbänden mehr gelernt zu haben. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich, seit ich das letzte Mal einen Dan Brown gelesen habe, fast fünfzehn Jahre älter geworden bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich mit den Themen, die in ›Origin‹ vorkommen, bereits vor dem Lesen wesentlich intensiver auseinandergesetzt habe. Noch dazu bin ich ein großer Gaudí-Fan, der nur ein paar Monate vor Erscheinen des Buches Urlaub in Barcelona machte. Trotzdem habe ich die Infos aufgesaugt, manchmal geschmunzelt und genickt und fühlte mich in gewisser Weise aufgehoben in der Geschichte, weniger wie ein Kind, das atemlos hinter dem Professor herrennt. Bastei Lübbe suchte mit einer großen Marketing-Kampagne und einem Quiz die perfekte Assistentin für Robert Langdon, und ich denke, das beschreibt gut mein ›Origin‹-Leseerlebnis: Als Assistentin an Professor Langdons Seite, mit Winston plaudernd und ahnend, worauf das alles hinauslaufen wird.

 

Fazit:

›Origin‹ ist zwar ingesamt etwas schwächer als die Vorgängerbände, trotzdem würde ich auch für diesen Robert Langdon-Thriller überall und jederzeit eine Empfehlung aussprechen. Denn auch wenn die Handlung relativ vorhersehbar ist und wenig Überraschungen bietet, so schafft es Dan Brown auch dieses Mal mit Spannung und interessanten Infos zu punkten. Protagonist Robert Langdon ist und bleibt ein Held für mich, dieses Mal jedoch rückt er etwas in den Hintergrund und macht Platz für Winston, der mit seinem britischen Akzent und dem einprogrammierten Humor sofort mein Herz und meinen Verstand erobert hat.

 

Bewertung:

4 von 6 Regentropfen, die spannungsgeladen aber vorhersehbar auf die Erde platschen.

Danke fürs Lesen!

Steffi