Buchstabenregen  


Buchrezension

Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt – Nicola Yoon

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Seiten: 336

Preis: 16,99 Euro

  

Dressler Hardcover Erschienen: 17. September 2015 ISBN 978-3-7915-2540-2

Der Inhalt:

Am Anfang war ein Traum. Und dann war Leben!

Wenn ihr Leben ein Buch wäre, sagt Madeline, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern: Heute ist genau wie gestern und morgen wird sein wie heute. Denn Madeline hat einen seltenen Immundefekt und ihr Leben lang nicht das Haus verlassen. Doch dann zieht nebenan der gut aussehende Olly ein – und Madeline weiß, sie will alles, das ganze große, echte, lebendige Leben! Und sie ist bereit, dafür alles zu riskieren.

So hat man die Liebe noch nie gelesen! Das neue Lieblingsbuch für Töchter und ihre Mütter: Eine außergewöhnlich berührende Liebesgeschichte für Fans von Jojo Moyes und John Green mit besonderen Illustrationen, Skizzen, Notizen und E-Mails.

 

Der erste Satz:

Ich habe viel mehr Bücher gelesen als du.

 

Meine Meinung:

Dieses Buch ist ein kleiner Schatz. Ich kann nicht glauben, dass ich es erst jetzt entdeckt habe.

Madeline ist 18 Jahre alt, hat das Haus, in dem sie wohl behütet aufgewachsen ist und gemeinsam mit ihrer Mutter lebt, aber noch nie verlassen. Da sie an einem seltenen Immundefekt leidet, ist es ihr nicht erlaubt, nach draußen zu gehen. Alles außerhalb ihres Zimmerfensters, jeder noch so kleine Erreger, der vor der Haustür oder hinter dem gläsernen Wintergarten wartet, könnte sie krank machen oder sogar umbringen. An manchen Tagen ist es leicht, damit klarzukommen, dann wiederum nicht ganz so leicht, aber abgefunden hatte Maddy sich eigentlich mit ihrem Leben. Und immerhin ist sie auch nie wirklich einsam, denn da sind ihre Mutter, ihre persönliche Krankenschwester, ihre Lieblings-DVDs, Spiele, ihr PC und ihr riesengroßer, voll befüllter Bücherschrank. Doch dann ziehen in das Haus nebenan neue Nachbarn und noch nie hat sich Maddy so sehr gewünscht, normal zu sein, nach draußen zu gehen und mit jemandem sprechen zu können. Olly, der in ihrem Alter zu sein scheint, ist nicht nur attraktiv und witzig sondern auch das reinste Energiebündel. Wie gerne würde sie mit ihm über den Rasen vor der Tür rennen, Handstände machen, Saltos schlagen und auf das Dach klettern, auf das er sich nachts oft schleicht, wenn sein Vater einmal wieder einen Wutausbruch hatte.

Nach einem etwas holprigen Start (immerhin muss man jemandem erst einmal erklären, warum man nicht aus dem Haus darf und immerhin muss derjenige das dann auch erst einmal verstehen) beginnen Maddy und Olly eine Chatfreundschaft – doch recht schnell ist beiden klar, dass das keine rein platonische Sache bleiben kann und dass sie einen Weg finden müssen, sich zu sehen. Und nicht nur das, Olly hat etwas in ihr ausgelöst und das lässt sich nicht mehr abschalten: Den Drang danach, ins Leben zu springen, es zu fühlen und zu entdecken, koste es, was es wolle. Doch was ist der Preis? Und was gewinnt Maddy auf ihrer Reise tatsächlich?

Sowohl Maddy als auch Olly gewinnt man auf der Stelle lieb. Zwei junge Menschen auf der Suche nach sich, dem ganz großen, ganz tollen Leben und der Liebe; die eine ist der Meinung, den Sinn des Lebens und Freunde findet man in Büchern und weiß ist die einzige Farbe, die sie tragen kann, der andere liest kaum, denkt in mathematischen Formeln und läuft Parkour, um sich frei zu fühlen. Gemeinsam stellen sie sich genau die richtigen Fragen und harmonieren trotz ihrer teils unterschiedlichen Ansichtsweisen so sehr, dass man ihnen einfach einen von diesen ganz besonderen Küssen wünschen muss.

Auch die Nebencharaktere sind liebevoll gestaltet. Und auch wenn der Fokus eindeutig auf Maddy und Olly liegt, lernt man über die Nebencharaktere auch so einiges über Verlust und Familie, über Mütter und Töchter und die Opfer, die gebracht werden, über verlorene Kinder, die mit nicht abgeholtem Gepäck auf einem Kofferband am Flughafen verglichen werden, über Väter, die plötzlich keinen Kakao mehr, sondern stattdessen einen selbst gemixten Alkoholcocktail nach dem anderen trinken und über Freundschaft.

Der Schreibstil von Nicola Yoon ist jugendlich, nicht zu schwer, aber mit sehr viel Tiefe und Platz, um zwischen den Zeilen zu lesen. Man ist ganz nah dran an Ich-Erzählerin Maddy, die in relativ kurzen Passagen über ihr Leben berichtet und über Bücher, Mathe und den Sinn hinter allen Dingen philosophiert. Mit dabei auch Skizzen, Chatverläufe zwischen ihr und Olly, E-Mails und Notizen zu ihren Lieblingsbüchern. Damit gleicht ›Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt‹ viel mehr einem Tagebuch als einem Roman. Und trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, habe ich das Lesen unglaublich genossen.  Man folgt der Geschichte wie einem roten Faden durch ein weißes Labyrinth, folgt jedoch auch den dazugehörigen Gedankengängen, Erinnerungen und Träumen von Maddy, die etwas Persönliches, Pinselstriche und Handabdrücke an den Wänden hinterlassen und einen aufsehen und über die eigentliche Handlung hinausblicken lassen. Da waren so viele schöne, wahre Sätze; so viele Passagen, die zwischen dem, was passiert, in der Luft hängen bleiben und darauf warten, dass über sie nachgedacht wird.

Ich empfehle dieses Buch allen, die die Welt entdecken möchten und gerne über alles und jeden nachdenken. Aber auch denen, die schon einiges von der Welt gesehen und bereits ihre Erfahrungen gesammelt haben, denen, die denken, sie kennen bereits alles und jeden. So oder so, ›Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt‹ wird dich berühren, davon bin ich überzeugt. Mich jedenfalls hatte es ab dem ersten Satz.

 

Fazit:

›Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt‹ ist ein Buch, das ich fest in mein Herz geschlossen habe und das mich mit einem lachenden und einem tränenden Auge zurücklässt. Während dem Lesen begegnet man nicht nur sehr sympathischen, ehrlichen Charakteren, sondern auch den kleinen Dingen im Leben, für die es sich lohnt kurz die Luft anzuhalten und dann voller Freude wieder auszuatmen, sowie Gedankengängen und Fragen, über die es sich lohnt nachzugrübeln und sich auszutauschen.

 

Bewertung:

6 von 6 weißen Regentropfen, die sich freuen, die kunterbunte, echte Welt unter sich kennenzulernen.

Danke fürs Lesen!

Steffi

2 Kommentare:

  1. Nicola Yoon hat eine ganz tolle Art zu schreiben, nachdenklich, weise und tiefgründig ohne dabei belehrend zu wirken. Ich habe „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ noch nicht gelesen, werde nach deiner Rezi (und weil der Film ja auch bald herauskommt und so toll aussieht!), aber noch schnell hineinlesen oder -hören.

    Wenn dir das Buch so gut gefallen hat, musst du UNBEDINGT „The Sun Is Also a Star“ von ihr lesen, das ist auch richtig gut. Natasha und Daniel sind großartig und es gibt so viele schöne Zeilen in dem Buch. Hach…


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