Buchstabenregen  


Filmrezension

Tschick

tschickfilm

Preis: 14,99 Euro

Filmlänge: 94 Minuten

  

Regisseur: Fatih Akin Darsteller: Anand Batbileg, Tristan Göbel Erschienen: 15. September 2016

Der Inhalt:

Während die Mutter in der Entzugsklinik und der Vater mit seiner Assistentin auf »Geschäftsreise« ist, verbringt der 14-jährige Außenseiter Maik Klingenberg die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, stammt aus dem tiefsten Russland, kommt aus einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn – und hat einen geklauten Lada dabei. Damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende ostdeutsche Provinz. Die Geschichte eines Sommers, den wir alle einmal erleben wollen… Der beste Sommer von allen eben!

 

Der Trailer:

Meine Meinung:

Aufgrund seiner Situationskomik, den Dialogen und der detailreichen, bidlichen Beschreibung des Roadtrips zweier Teenager ist ›Tschick‹ eindeutig ein Buch für die große Leinwand. Eine Verfilmung des Bestsellers, zu dem es auch schon zahlreiche Theateraufführungen gab, war also längst überfällig.

Und dann kam der erste Trailer. Und während alle um mich herum begeistert den Namen »Fatih Akin« schrien, muss ich gestehen, dass ich vor ›Tschick‹ noch keinen Film des deutschen Regisseurs gesehen habe. Dennoch hat der Trailer mich überzeugt – vor allem, da er in meinen Augen die Atmosphäre und den Witz des Buches perfekt einfing. Ich wusste, ich will diese Buchverfilmung unbedingt sehen und hatte im gleichen Moment die größte Lust, den Roman noch einmal aus seinem Platz im Regal zu ziehen und zu lesen.

Ich tat beides und beendete das Buch in der Nacht, bevor der Film in die deutschen Kinos kam. Als ich ein paar Tage später auf dem roten Sessel vor der großen Leinwand saß, hatte ich dann doch kurz Bedenken. Ich dachte an all die Buchverfilmungen, die ich bisher gesehen hatte, und wie viele davon mich leider enttäuscht hatten. Doch bereits nach den ersten Filmminuten wusste ich: Die Verfilmung von ›Tschick‹ würde mich nicht enttäuschen. Ganz im Gegenteil, sie machte das Buch für mich lebendig.

Dies liegt vor allem daran, dass Fatih Akin und sein Team sich sehr nah an die literarische Vorlage hielten. Natürlich gibt es Kürzungen und Änderungen, aber diese begrenzen sich auf ein Minimum und und lassen den Film dadurch keine wichtigen Details oder Handlungsstränge verlieren. Ganz im Gegenteil, es bleiben genug Möglichkeiten, ganze Zitate aus dem Buch einzubauen, seien uns nun Dialoge oder Sätze, die Maiks Erzählerstimme liefert.

Wie das Buch wird auch der Film aus Maiks Perspektive wiedergegeben. Man ist als Zuschauer in seinem Kopf und Schauspieler Tristan Göbel trifft die Stimme und die Art des 14-jährigen Maik Klingenberg perfekt. Ich konnte mich sofort auf ihn einlassen und mein inneres Teenager-Ich fühlte zu jeder Zeit, was er fühlte – Langeweile, Zurückweisung, Verzweiflung, Wut, Abenteuerlust, Zugehörigkeit, Freundschaft, Liebe.

Auch seine Klassenkameraden, seine Eltern und Isa sind gut gecastet und überzeugen in ihren Rollen. Besonders gelungen fand ich außerdem Friedemann und seine Geschwister. Einzig Anand Batbileg als Tschick ging für mich etwas unter. Das mag zum Teil der Erzählperspektive geschuldet sein, die uns ja nur Einblick in Maiks Gedankenwelt gibt, zum Teil aber sicher auch der Unerfahrenheit des jungen Schauspielers. In der ein oder anderen Szene hätte ich mir gewünscht, dass er etwas mehr aus sich herausgekommen wäre und dem Zuschauer noch mehr hätte zeigen können, wer Andrej Tschichatschow wirklich ist. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern passte jedoch.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der dazu beitrug, den Roman von Wolfgang Herrndorf lebendig zu machen, ist eindeutig die Musik. Ein Mix aus Richard Clayderman, Vince Pope und den Beatsteaks schafft im Hintergrund stets die richtige Stimmung.

 

Fazit:

Mit ›Tschick‹ ist Fatih Akin und seinem Team eine Buchverfilmung gelungen, die nah an ihrer Romanvorlage bleibt. Nicht nur, dass Fans des Buches einzelne Szenen und Dialoge eins zu eins wiederfinden können, auch der Humor, die jugendliche Sprache, die Musik und Charakterdarstellungen stimmen. Die Darsteller passen in ihre Rollen, Trsitan Göbel bekommt für seine Darstellung des Maik Klingenberg sogar extra Sympathiepunkte von mir. Einzig Anand Batbileg als Tschick ging für mich etwas unter.

 

Bewertung:

5 von 6 Regentropfen.

Danke fürs Lesen!

Steffi

2 Kommentare:

  1. Hach, „Tschick“ liebt ja irgendwie jeder und gefühlt alle Blogger, denen ich folge, haben auch das Buch gelesen. Prinzipiell will ich das auch tun, aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich da jemals zu kommen werde…Meinst du, ich kann auch zufrieden werden, wenn ich nur den Film gucke? 😉

    Durch deine Beschreibung kann ich mir jedenfalls schon deutlich mehr unter der Geschichte vorstellen als bisher durch den Trailer und die Inhaltsangabe. Einen Coming of Age-Film, was dieser ja im Grunde ist, habe ich schon ewig nicht mehr gesehen, da wäre das ja die Gelegenheit.

    Danke für deine schöne Rezension!

    1. Hallo, wie schön, dass du auf meinem Blog vorbeigeschaut und meine Tschick-Rezensionen gelesen hast. 🙂
      Deine Frage zu beantworten ist gar nicht so einfach – denn natürlich solltest du das Buch mMn unbedingt lesen!
      Ob du auch nur mit dem Film glücklich wirst? Ich denke, es gehen ein paar Insider verloren, aber man kann ihn auch gut ansehen, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Und wer weiß, vielleicht packt dich danach ja doch noch die Lust und du liest das Buch – es ist ja auch kein fetter Schinken, an dem man monatelang liest, es braucht dafür nur ein ruhiges Wochenende.
      So oder so wünsche ich dir viel Spaß! Lass mich wissen, wie du den Film fandest, ja?


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